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Der fremde Soldat

Du schau, dort drüben am Waldrand,
da liegt einer und schlaft.
Um Himmelswillen, geh ja nicht näher,
ich glaub, es ist ein fremder Soldat!

Du schau, er liegt so friedlich in der Wiesen,
du schau, er is no so jung.
Um Himmelswillen, sei trotzdem leise,
wenn er aufwacht, bringt er uns um!

Und der Sommerwind zerzaust ihm zärtlich die
Haar
und flüstert "schlaf gut, fremder Bub".
Und die Sommersonn sie streichelt ihn zart
und deckt ihn ganz warm zu, den Buben.

Du schau nur, wie er lächelt,
was der jetzt wohl träumt?
Sicher das Allerschönste,
sicher träumt er von daheim.

Und der Vater zerzaust ihm zärtlich die Haar
und flüstert "schlaf gut, mein Bub"
Und die Mutter, sie streichelt ihn zart
und deckt ihn ganz warm zu, ihren Buben.

Du, was hat er da zwischen den Augen,
ein Loch, klein, giftig und rot.
Um Himmelswillen, nein, du der schlaft nicht,
der fremde Soldat ist tot.

A Verbrecher weniger auf der Welt

Ich schau auße aus’m Fenster,
so viele Lichter hat die Stadt,
sicher kommen morgen a Haufen Leut‘
auch das Fernsehen kommt, haben’s g’sagt.
A frisches Hemd werd ich morgen tragen,
aus weißem Kattun,
nur das Hemd, es hat kan Kragen,
is eh klar, warum.

Mama, und du wanst daham, aber du warst
doch auch immer dafür,
dass bei uns bald wieder a Galgen aufgstellt wird.
Und jetzt steht er da für mich, für mich, dein
eigenen Sohn,
Mama, warum wanst, Mama, sei doch froh,
a Verbrecher weniger auf der Welt.

Der Pfarrer hat mi heut besucht,
er war wirklich sehr nett,
zum Schluß hab ich sogar
a Vaterunser mit ihm bet‘.
Sogar der alte grantige Wärter,
der nie spricht, scho gar net mit mir,
hat ganz laut mitgebetet, draußen vor der Tür.

Mama, und du wanst daham, aber du hast doch
auch immer g’schrien:
"es wird Zeit, dass bei uns bald wieder a Galgen
aufgstellt wird".
Und jetzt steht er da für mich, für mich, dein
eigenen Sohn,
Mama, warum wanst, das hast doch immer wollen,
an Verbrecher weniger auf der Welt.

Ich bin g’spannt, wie er dreinschaut,
der Henker morgen früh,
vielleicht grinst er mich an,
dann grins ich halt z’ruck, so gut ich kann.
Sicher tragt er an schwarzen Hut
und seine Händ san tätowiert,
hoffentlich macht er es gut,
hoffentlich wer ich nix spüren.
Hoffentlich wer ich nix spüren.

1928

Eines Abends setzte sich ein alter Mann zu mir
und erzählte:
"Weißt Du, mein Sohn, irgendwann einmal, kurz
nach diesem gewaltigen, allerletzten Knall, wenn's
auf der Erde nur mehr große, nackte Steine gibt, mit
einer fettigen, schwarzen Rußschicht bedeckt, wird
ein großes, weißes, strahlendes Raumschiff landen.
Irgendwo zwischen dem ehemaligen Los Angeles
und dem verdampften Schwarzen Meer."
"Und diese fremden, hochgewachsenen Wesen
werden Pillen an Bord haben
die sie uns Menschen als Geschenk
überreicht hätten,
so wie man immer, wenn man irgendwelche
Wilde besucht,
ihnen kleine Geschenke überreicht.
Pillen gegen die Traurigkeit hätten sie uns
geschenkt,
wenn wir noch dagewesen wären.
Stell Dir vor, mein Sohn -"
sagte der alte Mann ganz traurig -
"wunderbare, kleine Pillen gegen die Traurigkeit."

"Und diese fremden, hochgewachsenen Wesen
werden ihr Raumschiff verlassen, sie werden sich
umsehen und sofort wissen, dass hier vor kurzem
ein gewaltiger, ein allerletzter Knall war. Und dann
werden sie sich kopfschüttelnd zwischen die
großen, nackten Steine setzen und schwer
durchatmen. Und jeder von ihnen wird schnell
eine Pille gegen die Traurigkeit schlucken.
Einer von ihnen wird sogar mit dem Finger in
die fettige, schwarze Rußschicht an einem großen,
nackten Stein schreiben: Wir hätten so gerne
gewusst, wie Du bist! Wie Du aussiehst! Wie Du
sprichst! Mensch!"

"Und dann plötzlich wird einer von ihnen was
rufen, er wird rufen, dass er was gefunden hat. Und
das wird ein alter, verbeulter, kleiner
Filmprojektor sein mit einem eingespannten
Film. "Ja, warum nicht", sagte der alte Mann.
"Und sie werden sich freuen, die
hochgewachsenen fremden Wesen, sie werden
warten, bis es dunkel ist und den Film auf ihr
strahlendes, weißes Raumschiff projizieren. Und
sie werden sehr staunen, denn sie werden einen
Micky Maus-Film sehen. Einen Micky Maus-
Film, mit Donald Duck, Kater Carlo und Goofy.
Und diese fremden, hochgewachsenen Wesen
werden in ihr Raumschiffsteigen und sagen, sie
waren lustig, diese Menschen. Sie haben lustig
ausgesehen, sie haben lustig gesprochen, wir
hätten unsere Pillen gegen die Traurigkeit
völlig umsonst überreicht."

Diese Geschichte hat mir der alte Mann
erzählt. Ich habe nachgedacht und folgende
Zeilen aufgeschrieben:
An einem bestimmten Tag, im Jahr 1928,
standen sich plötzlich links der seine Pflicht
tuende Mond, und rechts die ihre Pflicht
tuende Sonne an selben Himmel gegenüber
Erschreckt starrten sie sich an und in diesem
kurzen Schreckensmoment vergaßen beide nur
Bruchteile von Sekunden ihre Pflicht zu tun. Die
Folgen waren verheerend.
Bitte, dieser Tag sei in alle Ewigkeit verflucht!
An diesem Tag wurde die Micky Maus geboren.

Zart

Und ich heb‘ Dich zum Himmel,
wie das große Meer,
einen kleinen toten Fisch.
Und ich berühr‘ Dich,
wie Du Dich selber manchmal
bei Vollmond.

Zart, ganz zart, viel zart.

Und ich nehm' Dich bei der Hand,
wie der Elvis sein Presley,
damals, wies ihm noch gut gangen is.
Und ich schau Dich an,
wie der liebe Gott, ein kleines
Baby anschaut, bevor er’s schickt.

Zart, ganz zart, viel zart.

Und wann’st lachst, dann renn i auf’s Häusel
und schreib: Hallelujah! an’d Wand.
Und wann’st weinst, dann reiß ich mir
die Rippen auße und leg Dein Kopf
auf mei Herz.

Zart, ganz zart, viel zart.

Und wann’st stirbst und jeder traurig is,
dann sei’s bitte ich der Dir die
Augerln schließt.

Zart, ganz zart, viel zart.




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